Bunec Beach 2019

Albanien!

Wieder so ein Ziel, das mich seit knapp 15 Jahren beschäftigt und heuer wurde es endlich was.

Eigentlich sollte es nach Sizilien mit eigenem Boot gehen, aber die Restauration meines Feuerwehrautos kostete genau den Betrag, der für das Boot budgetiert war. Und fertig ist er dennoch nicht…
Also geht es wieder mit Mama’s Auto Richtung Saranda in Albanien.

17 Stunden errechnet mir der Routenplaner. Das geht doch. Locker flockig rollen wir Richtung Budapest, alle sind gut drauf, dann der erste Megastau bei der Umfahrung von Budapest. Bereits hier will ich wieder umdrehen, weil es schlicht die Hölle ist. Aber irgendwann löst es sich auf und wir rollen zur serbischen Grenze bei Szeged. Wieder eine knappe Stunde Gedränge, es wird geschimpft und gehupt. Um Mitternacht wollte ich an der mazedonischen Grenze sein, und ein paar Stunden schlafen. Aber da sind wir gerade mal vor Belgrad. Mein kaputtes Knie fängt an zu zicken, wir geben mehr Gas.

Serbische Autobahn ist cool, in der Nacht halt langweilig. Aber wir sind mit Sonnenaufgang in Mazedonien. Superschöne Gegend! Wir finden auch ein nettes Stundenhotel und legen uns mal für 2 Stunden hin. An sich würde ich gern länger in Mazedonien bleiben und ein bisschen durch die Berge fahren, aber wir haben es eilig und weiter gehts Richtung Griechenland. Hier bricht totales Chaos aus. Die Griechen schauen sich jeden Pass minutenlang an, aus 4 Spuren werden 2.

Stunden vergehen bis wir über diese Grenze kommen. Mittlerweile sind wir auch die angegebenen 17 Stunden unterwegs, und wir haben noch gute 6-7 vor uns.

Entschädigt werde ich dafür an der albanischen Grenze. Whisky und Zigaretten für 15€ die Stange. Schnell wird das Auto befüllt und weiter geht es über abenteuerliche Bergstrassen ohne Leitplanken und alle paar Meter ein Gedenkstein. Nach mittlerweile 25 Stunden im Auto nähern wir uns Saranda. Hui, hier muss man aufpassen! Auf der Strasse laufen Kinder, streunende Hunde und Ziegenherden rum. Kreativ beladene LKW’s die ich in halsbrecherischen Aktionen überhole, weil ich Angst habe, dass mich deren Ladung in der nächsten Kurve erschlägt. Mit dem Sprit wirds langsam auch eng. Aber zum Glück findet sich bald eine Tankstelle. Der überaus freundliche Herr dort hat noch nie eine Kreditkarte gesehen, aber er findet nach langer Suche das Ding wo man sie reinsteckt. Gemeinsam und nach einem Anruf beim Chef schaffen wir es das Teil in Betrieb zu nehmen und ich glaube, ich hab dann auch bezahlt. Zumindest kam so ein Zettel raus… weiter gehts!
Nachtrag, irgendetwas ging hier schief. Die 30l Sprit kosten mich 400€ laut Kreditkartenabrechnung 😀

Die Strasse von Saranda zu unserem Strand wieder abenteuerlich, aber durchaus schöne Gegend. Die albanische Riviera hat schon was mit Blick auf die vorgelagerten griechischen Inseln. Gefühlte 200 Kurven später geht es dann über eine Schotterpiste zu unserem Quartier. Das Zimmer ist zwar in etwa so gross wie mein Bad, aber mit dem Stockbett als Kasten funktioniert das schon. Ansonsten sehr schöne Anlage unter Palmen und Bananenbäumen. Hier lässt es sich leben.
Vorsicht ist beim Duschen geboten, am Morgen gibt es nur kaltes Wasser und Abends nur heisses. Auch egal. Nach nunmehr 27 Stunden Autofahrt leg ich mich einfach hin und aus.

Was in Albanien übrigens auffällt, ist ein ziemliches Wohlstandsgefälle von den touristisch interessanten Küstenorten, hin zum zum Landesinneren. Hier am Strand steht eine Bar, die so auch in Italien stehen könnte. Die Preise in den Mini Markets sind nicht ohne und überall wird gebaut und gebastelt um die Gegend für ausländische Touristen attraktiv zu machen. Das Landesinnere dagegen, erinnert ein wenig an Jugoslawien in den frühen 80ern. Da verfallen viele Häuser und wenn ein Strassenschild eine Bodenwelle anzeigt, dann bremst man besser, denn da kann mitunter ein Kleinwagen komplett drin verschwinden.

Gar nicht bestätigen kann ich die angeblich so schlimme Fahrweise der Albaner. Mir kam das eher im Gegenteil, sehr rücksichtsvoll vor.  Es wird schon mal eng, wenn einem auf der Bergstrasse ein Reisebus entgegenkommt. Oder eines der vielen Wohnmobile. Da man in Albanien frei stehen kann, ist das Land diesbezüglich sehr beliebt. Zum Teil kann man bis an den Kiesstrand fahren und auch bleiben. Eher nix für Schickimicki Wohnmobile, aber viele umgebaute 4×4 und Feuerwehrfahrzeuge.

Ebenfalls bemerkenswert – die Leute sind superfreundlich, aber auch angenehm zurückhaltend. Nicht dieses aufdringlich kumpelhafte Getue das ich aus HR kenne.
Wenn kumpelhaft dann wirklich, aber dazu später mehr 🙂

Sonntag früh – da war doch was? Achja, die Dusche ist sehr erfrischend!
Dann wollen wir mal das vegetarische Frühstück probieren. Bratwürstel mit Eiern. Alles Definitionssache. Ich verputz es einfach. Was nicht so gescheit war. Ich und das Olivenöl. Zum Glück haben wir ein eigenes Klo, die anderen Gäste müssen sich ja 2 so Stehplumpsklos teilen.

Ab an den Strand und die Beach Bars abklappern. Zu dritt für 11€ essen gehen, aufs Wasser glotzen, Sonnenbrand holen. Noch ein Bier an einer kleinen Bar mit Blick auf Korfu – ist eine schöne Ecke hier!

Den Rest des Tages verschlafen wir und es reicht noch für einen Abendspaziergang auf den riesigen Steg, den sie hier gebaut haben. Da kann man gut 100m aufs Meer raus und überall sitzen Leute rum, die sich den Sonnenuntergang reinziehen. Dann wirds sehr ruhig in der Bucht. Die Albaner müssen nach Hause, weil ja morgen gearbeitet werden muss und bis auf ein Paar im Campingbus sind wir die einzigen verbleibenden Gäste. Ich häng noch mit unseren Vermietern ab, der Chef kam extra aus Tirana um Hallo zu sagen, netter Abend!
Am geilsten find ich ja die 2 Schweine, die hier immer zum Baden kommen.

Schnell noch zum Laden im Dorf am Berg oben. Ziemlich witzig dort. Alle Leute sitzen auf der Strasse rum und starren uns an. Ein Typ reitet auf einem Esel vorbei. Erfrischend rustikal!
Im Laden gibt es eigentlich nur Multivitaminsaft und Bier. Also alles was man braucht. Wird gekauft und im Gemeinschaftskühlschrank gebunkert. Jetzt aber ab ins Bett, morgen wird Kajak gefahren. Wecker für 6:00, haha!

Der Wecker geht auch wirklich um 6:00. Ist uns aber egal. Erstmal Frühstück um 8:00.
Würstel mit Ei, heute aber zumindest mit Salat frisch aus dem Garten hier. Sensationell.

Der Garten ist überhaupt der Hammer. Die Anlage trägt den Namen „Tropikal Bunec“ völlig zurecht. Dazu der Fluss, der hier durchfliesst und am Strand ins Meer mündet. Chillige Ecke!

Was solls, wir rudern gegen 9:30 los. Alle Achtung, die Brandung ist nicht ohne. Meine Tochter war vor Kurzem in Spanien, aber von den Wellen hier ist sie beeindruckt. Irgendwie schaffen wir es raus, da wird es schnell ruhiger. Immer noch ein runder Meter, aber extrem lang. Eher Dünung als Welle. Macht Spass mit den Kajaks drüber zu schaukeln. Wir paddeln Richtung Borsh, vorbei an verlassenen Stränden und ein paar dieser kleinen runden Bunker, die immer noch entlang der Küste verstreut sind. Dazwischen wird wild campiert. Sieht witzig aus mit den kleinen Zelten an teilweise sehr ausgesetzt liegenden Berghängen. Übrigens auch interessant, das große Müllproblem das man der Gegend nachsagt gibt es nicht. Ich seh weniger Dreck als in meinen bisherigen Urlauben. Hin und wieder verbrennt jemand einen Haufen, da raucht es halt mal eine Stunde.

In Borsh schmeissen wir die Boote an den Strand und wie der Zufall es will, ist gleich dahinter eine herrliche Strandbar. Zwei Kinder zwischen 12 und 15 managen den Laden, auf der Strasse kommt ne Kuh daher und wird erst verjagt, als sie einen Zaun umreissen will weil das Gras dort natürlich besser ist als davor. Eine Weile chillen wir unterm Strohdach, dann auf zum Mini Market. Was kaltes zu essen soll ich besorgen. Was nicht so einfach ist. Wurst und diese Konservendosen sind weitgehend unbekannt. Ich kann ein bisschen Thunfisch ergattern, das wars auch schon. Mit ein wenig Wasser und Bier macht das fast 20€. Also wie bereits erwähnt, diese Läden in Strandnähe sind nicht ganz billig.

Egal, rein mit dem Zeug in die Kajaks und wir paddeln wieder heim. Leider konnte ich in der Brandung meinen Skeg nicht montieren und drehe mich in alle Himmelsrichtungen. So geht das nicht und ich muss wohl oder übel ins Wasser. Funktioniert gleich besser, bis Töchterchen meldet, dass es ihr nicht so gut geht. Also schleppe ich sie ab und nach 2 Stunden sind wir an unserem Strand. Das Anlegen wird weniger witzig, eine mächtige Brandungswelle dreht mein Boot um, Kamera, Papiere, der Einkauf, alles schwimmt im Wasser herum. Mich schmeisst es auch gleich um. Zum Glück gibts Badegäste, die das alles einsammeln und so geht nichts verloren, aber gerade wegen der Kamera sind wir schon kurz etwas fertig. Wird aber eh an den Strand gespült. War ne gute Idee meiner Tochter, die wasser und stossfeste AW 100.

Übrigens hab ich in 3 Tagen 2 Motorboote gesehen. Wer hier mit dem Boot herkommt, dem gehört praktisch der ganze Küstenstreifen alleine. Da gibt es zwar nicht so wahnsinnig viel zu erkunden. Mit einem RIB kennt man binnen weniger Stunden alles. Aber Badeurlaub mit Boot ist hier perfekt.
Auch ideal für zerlegbare Schlauchboote. Überschaubare Distanzen und praktisch überall kann man anlanden. Ist ja alles Kiesstrand. Und wer es etwas abenteuerlicher mag, klappert die Halbinsel Karaburun ab, mit all den kleinen Buchten und Grotten.

Wie dem auch sei, Paddeln macht hungrig! Gleich neben dem Steg gibt es ein kleines Restaurant. Ich kriege gegrillten Oktopus. Der ist super, fast zuviel und kostet 6€. Gleiches gilt für die Pommes, den Salat und die gegrillten Kalamari. Nix da mit fancy Rezepten, wo man den Tieren alles mögliche in den Arsch steckt. Einfach gegrillt und geil.

Jetzt bin ich aber in Eile! Der Kellner der Beach Bar hat mich gefragt, ob ich mit dem Küchenchef am Abend zum Angeln rauspaddeln würde und klar bin ich dabei. Mit Einbruch der Dunkelheit geht es raus. Ich glaube ja, der wollte nur ein bisschen rumfahren. Hat zwar die Angel draussen, aber rudert die ganze Zeit durch die Gegend wie ein wilder. Mir solls recht sein. Ich lass mich treiben und nuckle an der Whiskyflasche. Nach einer guten Stunde hat er genug und wir legen bei der Bar an.

Jetzt wirds doch kumpelhaft. Der Kellner meint, ich muss mit der ganzen Belegschaft Jolly rauchen. Biogras aus den Bergen hier. Da sitzen wir zu fünft und es geht ihnen der Wodka aus. Meine Whiskyflasche wird darob freudigst begrüsst und so werden es halt 2 Joints und eine lange Nacht. Zu eher später Stunde machen wir doch Schluss, obwohl little Pauli für uns zu albanischer Schlagermusik tanzt. Von Pauli soll ich euch auch grüssen lassen. Er ist der King of the Beach und wünscht sich mehr Mädels am Strand!

Irgendwann bin ich im Bett und warum mein ganzes Zeugs vor der Tür und auf den Nachbarterrassen rumliegt – ich hab das nicht hinterfragt.

Der Dienstag ist schnell erzählt. Es schüttet durchgehend von früh bis spät und man kann eigentlich nur essen, schlafen und mit den Vermietern plaudern. Was mir aber nach dem gestrigen Abend ganz gelegen kommt. Dienstag Ende 🙂

Mittwoch ist ein kleiner Stadtbummel angesagt. Himara wollen wir uns ansehen.
So ganz weiss ich nicht, was ich davon halten soll. Einerseits gibt es eigentlich nix sehenswertes. Das sieht alles ein bisschen aus, als hätte jemand reichlich Beton übrig gehabt und eben mal ein Dutzend Häuser angefangen. Und so bewegt man sich zwischen Bauruinen und einigen durchaus netten Bauten, entlang einer Strasse, die von der Breite auch als Autobahn durchginge.

Der Strand aber wirklich hübsch und sehr gepflegt. Wir bleiben auch gleich mal an einer der Bars hängen. Das ist durchaus nett. Natürlich alles verpachtet und mit Schirmchen ausgestattet. Deutlich touristischer als Bunec. Dennoch ist sehr wenig los. Ich dachte hier geht es rund, aber die meisten Liegen bleiben leer. Fast ein wenig schade, denn man ist doch sehr bemüht. Den fehlenden Charme der Stadt macht man mit viel Engagement wieder wett.

Weiter geht’s, es wird eng und man muss eine wirklich hässliche Strasse entlang, aber immerhin gibts einen Supermarkt und der hat auch jede Menge Wurst, Käse, Dosenfutter. Die Mädels kriegen also doch noch was.

Und plötzlich landet man in einer Art Fussgängerzone wie vom Reissbrett. Breit, recht neue Häuser, Lokale für tausende Leute. Da reiht sich eins nach dem anderen auf. Mir gibt das nichts, aber der Steg mit den Motorbooten interessiert mich. Natürlich nichts zu mieten. Nur so Tagesausflüge mit Skipper. Sehr aufdringliche Typen, die einem die Tour andrehen wollen. Ein paar Jetski Proleten drehen vor dem Strand ihre Runden. Nichts wie weg.

Die Mole ganz hinten dann spannend. Dauernd kommen Fischerboote rein und scheinbar fängt man hier auch was. Das Personal der umliegenden Lokale steht schon in Position, als die Crew des Bootes den Fisch auslädt und an der Mole direkt verkauft. Da wuselt es für kurze Zeit ganz schön. Tanken kann man hier auch, Sprit bringt der Tankwagen vorbei. Auch witzig, die Feuerwehrautos aus der Schweiz die da rumstehen. Ein irgendwie skurriler Ort, hier gefällts mir.

Dennoch geht es heimwärts, ich will heute noch ne Runde im Kajak drehen.

Die Küstenstrasse ist wieder Hammer. Teilweise spektakuläre Aussichtspunkte, man sieht da kilometerweit die gut 100m unter einem liegende Küste. Einige Radfahrer, die sich rauf und runter quälen. Aber ja, das lohnt sich.

Jetzt aber schnell ab aufs Wasser. Die Sonne steht schon tief und ich will Richtung Lukova zu einem kleinen Campingplatz, der mir bei google maps angezeigt wird.
Ich packe ein paar Marlboro und 2 Bier in die Dry Bag und verabschiede mich im Kajak Richtung Süden.
Kaum bewegt man sich ein paar Hundert Meter von unserem Quartier weg, sind die Strände faktisch leer. 2 selbst mitgebrachte Sonnenschirme zähle ich auf gut 3km Strecke. Sonst ist da nichts, bis auf einen Spaziergänger. Viele Schattenplätze unter Pinien und alten Olivenbäumen. Sehr cool!

Nur kurz wird mir etwas mulmig.
Die immer noch kräftige Dünung auf der ich so gern rumschaukle, bildet hier zusammen mit der Strömung und einer Stufe unter Wasser ganz überraschend ziemlich hohe brechende Wellen, die nicht einfach ans Ufer rollen, sondern eine Walze bilden. Das Kajak ist ganz schnell voll Wasser und gerade noch komm ich da weg, bevor es kentert. Am Heimweg umfahre ich die Stelle sehr weiträumig 😀

Aber da sehe ich schon das Holztor der Bar am Campingplatz. Schöner Strand, teilweise auch Sand und nicht so steinig wie bei uns. Ich lauf ein bissl barfuss rum und besorg mir ein Bier. Leider ein kurzes Vergnügen. Es wird hier sehr schnell dunkel und mir liegt die Stelle von vorhin etwas im Magen.
Also alles retour. Sonnenuntergangs Paddlerei. Sehr flauschig und ruhig. Auch wenn man sich in so einem Badeboot mit Einbruch der Dunkelheit etwas ausgesetzt fühlt. Geile Ausfahrt, geile Gegend.

Das ganze noch bei Kalamari vom Grill ausklingen lassen und hach, die Mutti die hier in unserem Quartier kocht, die macht das sensationell. Nur Knoblauch sollten alle mögen, sie mag ihn auch 😀

Der Donnerstag wird ein ruhiger Tag. Ich hab mir einen Sonnenbrand eingefangen, der mich kaum gehen lässt, weil die Beine so geschwollen sind. Ausserdem verliert das Mama Auto die Stoßstange. Als die Vermieter sehen, dass ich mich unter die Karre lege, liegen wir Sekunden später zu dritt dort. Die sind hier wirklich genial. Als wäre es ganz selbstverständlich. Noch dazu sind Vater und Sohn Automechaniker und das Problem ist gleich behoben. Plastikbomber halt, zwei so Clips fehlten.

Generell ist die Gastfreundschaft hier sehr ausgeprägt. Man wird zu nichts genötigt, aber wurscht was man braucht, es wird irgendwie möglich gemacht. Und zwar ohne Hintergedanken. Würde man jetzt einfach Kohle abdrücken, wäre das fast eine Beleidigung. Dafür teile ich mit dem älteren Sohn brüderlich meine Psychopillen. Er schläft auch schlecht und eine Stunde später kippt er weg.
Na, ok. Das war später. Abendlicher Smalltalk mit überraschender Offenheit 😀

Ab an den Strand!
In langen Hosen mit Socken und einem Badetuch drüber lieg ich unter einem der Schirmchen. Warum nicht. Hinter mir die Beach Bar und der Kellner von Montagnacht serviert Bier. Ein bisschen komisch komm ich mir schon vor, aber die Leute rundherum sind auch Freaks, so what? Lange halte ich die gepflegte Langeweile nicht aus und geh das Kajak aufblasen. Der jüngere Sohn der Vermieterfamilie will mir unbedingt helfen, ich frag ihn ob er Bock hat auch eines zu nehmen. Und schon hat er nen Freund dabei und weg sind sie mit dem zweiten Boot.

Wir treffen uns dann am Wasser beim Steg und die Beiden haben ihren Spass. Mich zieht es nochmal Richtung Lukova, wo es noch so Einiges für mich zu entdecken gibt.

Heute ist die Dünung weg und man kann direkt am Strand entlangpaddeln. Auch das anlanden hab ich mittlerweile im Griff und das ist gut so. 2 ungelöste Probleme hab ich ja noch. Das der umfallenden Bierdosen steht ganz oben. Das Zweite ist – das Bier hier rinnt einfach straight durch einen durch. Und aus dem Kajak pinkeln endet unweigerlich im Wasser. Also immer schön anlegen…

Nach einer Stunde an einsamen Stränden entlang ist mir nach etwas Zivilisation und ich lege beim „Old Anchor“ an. Da kann man mit dem Auto hin und so schauts auch aus. Eher lieblos hingebaut, ein paar Strohdächer am Strand, Autos von vorn bis hinten. Dazu ein Haufen dieser Instagram Vanlife Typen, die sich in der langsam untergehenden Sonne präsentieren und hoffen, dass sie mal Influencer werden. Pfeif auf Zivilisation, ich ruder lieber wieder raus. Ein gepflegtes Heineken am Boot kann da deutlich mehr.
Gemütlich nach Hause, anlegen, umziehen und schon geht es ins Restaurant „Mema“.

Ein Festessen. Fisch super, Salat super, gegrilltes Gemüse, wir sind voll wie nur was und dass sich das Ganze preislich in überaus erfreulichen Regionen bewegt hab ich ja bereits mehrfach erwähnt.
Vorbei an einem Lagerfeuer am Strand und ab ins Bett.

Jetzt aber! Freitag ist es. Furgon fahren, yess!
Wir wollen nach Saranda und ich hab so viel über die Furgons gelesen, da muss ich mit.

Öffentlicher Transport spielt sich in Albanien zum Großteil auf der Strasse ab. Reisebusse verbinden die Hauptrouten zwischen den grossen Städten und wenn man mal irgendwo am Arsch der Welt ist, kommt sicher bald ein Furgon vorbei. Kleinbusse mit 9-12 Plätzen, die auch in jedem Dorf halten wenn man das wünscht. Wobei „bald“ in dieser Gegend ein dehnbarer Begriff ist. Ich hab manchmal den Eindruck, alles was noch am selben Tag passiert fällt unter „bald“.

Einen daheim am Computer erstellten Zeit und Reiseplan kann man sich eher in die Haare schmieren. Es ist auch viel angenehmer, wenn man sich einfach mittreiben lässt und schaut was passiert.

Also stehen wir um 6:00 an der Hauptstrasse und schauen gespannt nach oben, Richtung Piqeras. Und tatsächlich kommt nach 45min so ein Mercedes 11 Sitzer, quietscht sich mitten auf der Strasse ein und los gehts. Da sitzen wir zwischen lauter Arbeitern denen man ansieht, dass ihr Job richtig heftig ist, eine alte Bäuerin mit Zwiebel und Gemüse steigt ein paar Kilometer später zu, orientalische Musik plärrt aus den Lautsprechern und damit wir hinten ja nichts verpassen, gibt es da noch extra Boxen. Daheim würd ich mich aufhängen, hier ist das stimmig.
Was auffällt – während ich im Shirt vor mich hinmüffle, sind alle anderen pipifein rausgeputzt. Gebügelte Hemden und so. Die ältere Generation legt hier durchaus Wert auf sowas.

Ich glotz ganz begeistert aus dem Fenster und zieh mir die Küste rein. Aber auch die breite Ebene zwischen uns und den Bergen vor Gjirokastra sieht toll aus. Wie es scheint, zündelt man in Albanien gern. Überall kleine Feuer und der Rauch bleibt in der feuchten Morgenluft an der Inversionsschicht hängen. Ich könnte da jetzt reinkippen, aber schon tuckert unser Minibus bei Saranda rein und entlässt uns in irgendeiner Seitengasse, nachdem er wohlfeile 4,50€ für die knapp einstündige Fahrt kassiert hat. Für uns alle 3 wohlgemerkt.

Wenn mal jemand Albanien kreuz und quer bereisen will – checkts euch nen Flug nach Tirana und ab da kommt man scheinbar mit den Dingern irgendwie überall günstig hin.

Na gut, Saranda!
Ziemlicher Kontrast zu meinem tropischen Garten in Bunec. Da gibts Riesenschiffe am Wasser, ein Riesenchaos auf den Strassen und Hotels und Hotels und ja, Hotels.

Und Taxis! Es gibt ja die Stadt der tausend Fenster, Berat. Die Stadt der tausend Stufen, Gjirokastra und Saranda, die Stadt der zehntausend Taxis. An jeder Ecke tönt es „Taxi Sir?“
Aber ich bin mit meinen dunkelviolett von der Sonne verbrannten Beinen halt auch der Klischeetourist schlechthin.
Wir verziehen uns an die Hafenpromenade, Kaffee trinken und Souvenirshops abklappern. Und alle 200m in eine Bar. Klo und Bier.

Sonst gibt Saranda nicht viel her. Man hat sich da dem Massentourismus verschrieben und jeder Felsen bis übers Wasser wird verbaut. Wobei das Wasser überraschend sauber ist für einen Fährhafen dieser Grösse. Hat mich durchaus erstaunt. Wer es mag, vom Hotel über die Strasse zum Strandbereich zu hampeln und dort den Tag zu verbringen – die Klientel wird hier perfekt bedient. Und im Bereich der Fussgängerzone ist es auch irgendwie hübsch. Solange man das Stadtpanorama nicht sieht. Übrigens wieder alle freundlich und bemüht. Töchterchen bekommt eine Angel, Blei und Ersatzhaken gehen aufs Haus. Alle lächeln und man bedankt sich gegenseitig mehrfach. Noch ein Zwischenstopp beim Fast Food Laden. Wah, der hat dort einen Spiess, der riecht so sexy und Portionen die wohl auf die Arbeiter aus dem Furgon zugeschnitten sind. Aber es ist Mittag und unser Bus geht um 13:00.

Wir finden den sogar eher zufällig in dem Seitengassen Chaos. Ist unser Fahrer von heute morgen. Nur der Bus ist ein anderer. Recht ambitioniert zusammengeschweisst, aber wird wohl halten. Bald gehts los und während er um 7:00 früh noch sehr gesittet die Spitzkehren genommen hat, wartet jetzt vermutlich seine Frau mit dem Essen auf ihn. Es geht deutlich flotter dahin und ein paar mal seh ich uns schon in der Kurve 200m abstürzen. Macht aber nichts, Töchterchen schläft, meine Frau trinkt Bier und ich hab ne Flasche Muskat Raki. Gibts nen schöneren Tod?
Passiert aber eh nicht. Pünktlich sind wir zurück in Bunec und unser Vermieter holt uns an der Strasse ab.

Das Fazit – Furgon fahren ist geil!

Saranda – nichts für mich, aber Partytouristen kommen hier voll auf ihre Kosten. Ok, die Stripclubs hätten mich interessiert, aber da kann ich schlecht zu Mittag mit Frau und Kind rein.

Aber auch daheim ist es lustig. Der Typ der die Strandbar pflegt ist so ratzevoll, dass er für einen Quadratmeter Rasen den Benzinrasenmäher anwirft und sich verzweifelt dran festhält. Um gleich eine auf den Deckel zu kriegen von so einem „ich bin superwichtig“ Touristen. Woraufhin er sich mit einer Gartenschere ins Gras legt und das in Handarbeit erledigt. Ich feier den hardcore 😀

Kajak bleibt heute liegen. Morgen gehts mit den Mädels gen Süden. Mal schauen wie weit sie kommen, bevor sie meckern.
Jetzt wird hinten gerade mein Schaf für das Abendessen zerlegt.
Der Köchin liess ich heute meine besonderen Grüsse ausrichten. Die Frau hats drauf.

So!  Diesmal gibts ausschliesslich Strand und Küstenfotos 😀
Samstag muss ich mich von Saranda erholen, stehe mal gemütlich zu Mittag auf und dann reichte es gerade noch für eine Strandwanderung. Man kann ja kilometerweit gehen, ohne sich die Füsse nass zu machen, oder irgendwelcher Klettertouren. Ziemlich anstrengend auf dem Kies, aber nach 3,5km gibt es eh die Campingplatzbar. Das reicht dann auch für heute…

Deutlich witziger gestaltet sich der Sonntag. Ich will mir den Strand Kroreza anschauen. Also wird frühmorgens das Kajak bepackt. Ich nehm ein bisschen mehr mit. Laut Navionics sind es 10km geradeaus, da ich zum Teil die Buchten ausfahren muss werden es 12km. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 3-4kmh kann das länger dauern. Das erste Drittel kenn ich ja bereits. Zügig gehts an besagtem Campingplatz vorbei.

Der ist wirklich nett. Komplett bewaldet, schöne kleine Stellplätze und rund um die Bar wieder Olivenbäume, diverses anderes Grünzeug, Bananenbäumchen und so weiter. Alles verziert mit kleinen Laternen und allem möglichen selbst gebasteltem Zeugs.

Mit einem echten Wohnmobil sollte man es aber nicht versuchen. Selbst mit dem LT hätte ich Probleme und wenden kann man auch nirgends. Hier mussten allzu wagemutige schon raufgeschleppt werden. Das höchste der Gefühle ist so T3 bis T5. Davon stehen auch einige herum. Und einige Geländewagen, die sich hier eine Pause gönnen.

Mich zieht es heute aber weiter und schon geht es in die nächste Bucht. Puh, wo bin ich hier gelandet? Kulturschock nach den ersten ganz einsamen Kilometern. Lukova Beach. Zu dem Strand führt eine Strasse und das ist nie gut. Komplett mit Holzbauten verstellt, ein Meer an Sonnenschirmen und richtig was los hier. Meine Arme melden nach gut 7km, dass eine Pause angesagt ist und so leg ich halt mal an. Ein Bier an der ersten Strandbar, ein paar Fotos und dann aber weg aus dem Trubel. Auch die Preise sind ganz ordentlich, da fehlt nicht viel auf Wiener Niveau.

Cool finde ich die Idee eines der Restaurants das oben am Felsen eine Art Steg gebaut hat, von dem man dann aus gut 3m Höhe direkt vom Lokal ins Meer springen kann. Wird von den Kindern auch ausgiebig genutzt.

Bewundernswert ist die stoische Ruhe des Personals in dem Chaos und generell der Menschen hier. Ich hab in der letzten Woche ein paar ungute Touristen getroffen, aber noch keinen unguten Einheimischen. Alles wird auch im grössten Stress mit einem „no problem“ oder einem „thank you my friend“ geregelt. Dazu eine gewisse Neugier, weil man als Österreicher noch ein bisschen ein Exot ist. Im Gegensatz zu anderen Ländern fühlte ich mich auch noch nicht über den Tisch gezogen. Also entweder ist man ehrlich bemüht den Auslandstourismus zu pushen, oder man stellt sich beim bescheissen schlauer an 😀
Derzeit sind die meisten Autokennzeichen ja noch aus Albanien, Kosovo, Mazedonien. Zu Unrecht eigentlich, denn in Himara zum Beispiel lässt es sich durchaus komfortabel leben.
Die meisten Deutschen, Schweizer, Slowenen findet man aber in den alternativen Bereichen. Kleine Hippiecamps, die Vanlife Abteilung und Offroader. Und das ist ein überschaubares Grüppchen.

Wie dem auch sei, vorne im Dunst erkenne ich schon die Umrisse von Kroreza. Doch ganz schön weit und etwas unangenehm zu paddeln. Es wechselt von Strand zu Felsen und nachdem es in der Strasse von Otranto seit 2 Tagen konstant mit 5Bft bläst, kriegen wir hier wieder die Dünung rein. Das ergibt an der Felsküste ein ziemlich chaotisches Wellenbild für ein 3,50m Badeboot.
Dafür trägt mich eine recht nette Strömung flott dahin.

Zwischen den Felsen immer wieder ganz kleine Strände. Einen davon erkläre ich zu meinem Privatstrand und mach noch ein Päuschen vor der letzten Etappe. Hätte ich nen Sonnenschirm dabei, ich würd da nimmer weg.

Jetzt aber. Der letzte Kilometer geht zügig und am fast komplett leeren und riesigen Strand Kroreza werde ich vom Besitzer einer winzigen Bar freudig empfangen. So schnell kann ich nicht schauen, hat er schon das Boot in der Hand und hilft mir den Strand rauf. Ein bisschen Smalltalk bei nem Bier, dann wird mir eh schon wieder die Zeit knapp. Einmal rauf und runterlaufen geht sich aus. Ich bin ziemlich begeistert und eigentlich sollte ich hier übernachten denke ich. Da die Nächte in der Gegend aber ziemlich kalt sind, lass ich das doch lieber.
Ausserdem kommen am Abend immer ganze Rudel streunender Hunde und da hab ich ohnehin eine Phobie.
Die Hunde gibt es irgendwie überall. Auch vor unserem Quartier laufen sie rum sobald es dunkel wird. Sind aber eh nett. Sie schauen halt, ob sie etwas zu fressen finden.

Der Weg retour wird bis Lukova etwas unangenehm. Gegen die Strömung mach ich kaum Meter. Eineinhalb Stunden muss ich kräftig zulangen. Manchmal glaub ich, dass ich stehe. Und müde werd ich auch. Jetzt bin ich ganz froh über den Touristenstrand und falle gleich ins erste Lokal auf nen Liter Wasser.
Der restliche Weg in jetzt wieder ruhigen Gewässern durch die Buchten, erscheint plötzlich wie ein Spaziergang und ich lege gerade zur perfekten Abendessenszeit daheim an.

Fazit – 10 Stunden unterwegs, runde 24km gepaddelt, Sonnenbrand, Muskelkater, Hunger!
Nach ner Portion Spaghetti, Kalamari, Pommes und Bier aber ganz zufrieden mit den Ereignissen des heutigen Tages.

Der Bereich ist auf jeden Fall einen Ausflug wert und wer nicht selbst fahren will oder kann, der nimmt eines der Ausflugsboote die einen von Saranda hierher bringen. Das spielt sich im kleinen Rahmen ab und hat durchaus Charme.

Montag gehts mir weniger gut und eigentlich solls ein Ruhetag werden. In begrenztem Umfang klappt das auch. Ich bleib im schattigen Garten bei ein paar Elbar Bieren sitzen, schaue den Schweinen und Ziegen zu wie sie am Fluss entlang wandern und denk mir weiter nichts. Bis mir unser Kellner die Rechnung der letzten 2 Tage zeigt. Ui, da brauch ich einen Bankomaten. Die Raiffeisen hat dankenswerterweise einen in Borsh aufgestellt. 5km am Wasser, oder runde 20km über die Bergstrasse. Ist alles ein bisschen umständlich zu erreichen, weil sich die Strasse in endlosen Kurven am Berg und an den Buchten entlang schlängelt. Zum Bankomaten dann noch ein paar Kilometer übelste Schotterpiste mit Schlaglöchern.

Also ab ins Boot und frisch fröhlich ab nach Borsh. Laut Wetterbericht hat es jetzt 36 Grad bei totaler Windstille. Da tropft der Schweiss von der Schirmkappe und wirklich Spass macht das nicht. Zum Glück erreiche ich bald die Strandbar, wo mich ein ziemlich lustiger Chef empfängt der an seiner Cognacflasche nuckelt, als wäre es die Mutterbrust. Den treffe ich dann auch später nochmal…

Jetzt mal Kohle besorgen. 5,50€ will der Automat an Transaktionsgebühren. Den „leck mich am Arsch“ Button find ich nicht, also drück ich halt „Ja“ und ziehe von dannen.

Am Heimweg noch Zwischenstopp an einem kleinen Strand hinter dem noch die kleinen Bunker stehen. Wirkt heute skurril und einige der Dinger findet man auch farbenfroh verziert als Fliegenpilz und so. Ich kenne das noch in Aktion, als wir 1986 die Buna befahren wollten und auf albanischer Seite für helle Aufregung sorgten. Irgendwie also auch gruselig.

Ein Stück weiter kommt ein kleines Fischerboot daher und ein Typ pfeift und schreit. Ich schau mal hin, ob er was braucht, aber es ist nur der besoffene Barchef von vorhin. Er wollte mir bloss zeigen, dass er fischen ist, lacht sich dabei halb tot und will abklatschen. Soll er haben 😀

Egal, schnell noch angeln gehen. Das dauert 10 Sekunden. Irgendwie hab ich vergessen, den Haken zu verknoten. Ausserdem machen wir uns vor den Hunden in die Hosen und gehen einfach Pizza essen. Sensationeller Pizzakoch. Fast wie bei uns daheim an der Ecke. Und die ist unter den Top 3 in Wien.

Langsam wirds eng mit der Zeit. Ich muss unbedingt noch Gjipe sehen, die kleine Grotte bei Dhermi und den Strand mit der Höhle im Felsen. Mit Sonnenaufgang pack ich ein Kajak ins Auto und ab geht es auf eine abenteuerliche Autofahrt nach Dhermi. Die Strasse ist toll! Den 4. Gang brauche ich nie, mehr als 60kmh geht nirgends. Alle paar Kilometer steht ne Kuhherde auf der Strasse, oder ein Esel bockt quer drüber. Zuletzt ein schlafender Hund, der uns kurz anschaut um sich dann gleich wieder hinzulegen. Mitten auf der SH8! Da muss man halt stehenbleiben und warten bis man vorbei kann.
Dafür eine Aussicht die in jeder der Kurven genial ist. Und Kurven gibts viele.

Nochmal zur albanischen Fahrweise – mir wird hier eher zu langsam als zu riskant gefahren. Oft geht es mit gerade mal 40kmh dahin und überholen ist schwierig weil der Strassenverlauf kaum einsehbar ist. In den Orten wird es manchmal lustig. Geparkt wird scheinbar prinzipiell in zweiter Spur und es kann schon mal eng werden. Da bilden sich auch schnell kleine Staus.

Läuft aber freundlich ab. Eine wohl vorhandene Strassenverkehrsordnung legt man hier eher kreativ aus und kommt im Grossen und Ganzen gut miteinander aus. Aufpassen muss man bei den Zebrastreifen. Die sollen nur die Strasse verzieren und haben ansonsten keine Funktion.

Die Orte am Berg übrigens alle sehr hübsch und vintage. Vuno zum Beispiel fand ich toll. Leider waren wir nur auf der Durchfahrt, gern hätte ich eine kleine Fotosession gemacht.
Am Meer dominieren Neubauten. Wer gern durch pittoreske Dörfer spaziert, ist da falsch.

Dhermi! Vollgas Touristenstrand. Aber irgendwie hübsch. Ich steh jetzt auf Bananenbäume, die sowas wie die albanische Version der deutschen Thujenhecke sind. Vielleicht stell ich mir ja einen auf den Balkon.

Rund 4km wären zu paddeln um alles zu sehen. Töchterchen kommt mit und wir fahren als 2 Sitzer. Sehr kompliziert. Meistens krachen einfach unsere Paddel aneinander und das ist schlecht, denn die Wellen sind heute beeindruckend. Bis ums erste Kap herum, dann wirds wieder ruhig. Hier finden wir einen Rythmus und es geht voran.

Da sehen wir auch schon die kleine Grotte. Nichts wie rein. Sonderlich spektakulär ist sie nicht, aber macht Spass da drin. Attraktion ist es aber eher keine. Da wäre etwas weiter nördlich mehr zu sehen, es soll da eine richtig grosse Grotte geben. Ich kann mich aber nicht überwinden so eine Bootstour zu buchen. Ich will mir das immer alles selbst ansehen.

Next stop Gjipe, der Strand mit dem Canyon im Hintergrund. Im Internet immer leer und ganz verträumt zu sehen. Maximal ein paar Offroader beim Lagerfeuer. Ja, das mag wohl mal so gewesen sein. Heute stehen hier 4 Bars und 200 Sonnenschirme. Im September sicher toll weil wieder leer, im Juli sieht man kaum was vom Strand. Über einen Fussweg kommen dauernd Leute nach und ein paar ganz Verwegene fahren mit ihren Jeeps und ähnlichem Gerät über diesen etwas besseren Wanderweg. Wo es links steil rauf und rechts steil runter geht. Fast schon wieder cool. Dennoch, unterm Strich ist das hier nichts für uns.

Einmal schnell um die Ecke gerudert und schon sehen wir die Höhle am Plazhi me Shpella. Das hat was. Auch hier ein paar Leute, die mit einem RIB gebracht und geholt werden. Aber doch recht familiär und ruhig. Und die Höhle beeindruckend. Das Wasser blitzsauber. Hier bleiben wir länger. Ich geh sogar schwimmen. Naja, ich musste pinkeln. Ist also quasi dodl approved.
Alles Orte, die man wohl in der Nachsaison besuchen sollte. Dann ist das sicher eindrucksvoll.

Der Rückweg wird übel. Wir müssen weiter raus und jetzt haut es Wellen rein, die sind subjektiv mächtig. Die Tochter kriegt Angst und wird seekrank. Selbst die vorbeifahrende Polizei stoppt kurz und schaut mitleidig. Geht aber eh easy. Wir haben ja keinen Speed und schaukeln einfach auf und ab. Ist mehr ein psychologisches Problem. Wie generell beim Paddeln. Kaum ist man etwas weiter vom Ufer weg, entsteht der Eindruck, dass man nicht weiterkommt. Da muss man in eine Art Meditationsmodus verfallen und einfach weiter machen. Wenn man dann nicht mehr über die Wellen sieht, fühlt man sich schnell ziemlich ausgeliefert, was wieder die Seekrankheit begünstigt. Wobei da ein Meter reicht, man sitzt ja sehr tief.

Drum lasse ich auch Karaburun sausen. Das wären mindestens 40km und wirklich abgelegen. Nichts für ein Gummiboot, bei dem sich mittlerweile durch Hitze und Luftdruck die Schläuche grotesk verformt haben.

Das Abendprogramm dann wie gewohnt, angeln und essen.
Gegrillte Ziege gibt es. Ich war zuerst misstrauisch, aber wurde sehr positiv überrascht. Vielleicht halte ich mir eine Ziege auch am Balkon. Wobei die wieder den Bananenbaum fressen würde 😀

Mittwoch hätte es nach Korfu gehen sollen, wird aber wegen grassierender Faulheit auf Donnerstag verschoben.
Ausserdem werden wir seit Tagen von so einem christlichen Kindercamp terrorisiert, das uns frühmorgens mit Halleluja Gesängen und Trillerpfeifen weckt.

Also hängen wir im Garten ab und fahren doch mal die Strasse nach Borsh. Geld ist alle. Ich finde auch eine Abkürzung, aber was da auf Google Maps als Strasse verzeichnet ist, kann man mit einem normalen Auto schlicht nicht befahren. Beim ersten Schlagloch würde ich den Auspuff verlieren. Schotter, Matsch, Steine und Löcher. Also grosse Runde. Eine gute Stunde dauert das. Zu Fuss übern Strand wären wir auch schon da.

Borsh ist irgendwie ein hässlicher Ort. Bei den Wohnmobilleuten sehr beliebt, weil man im hinteren Bereich Richtung Qeparo, direkt am Strand stehen kann, aber schön ist das nicht.
Da stehen sie im Kies neben einer Schotterpiste, im Hintergrund verfallene Häuser und aufgegebene überwucherte Olivenplantagen. Ein eher postapokalyptisches Szenario. Da geh ich doch lieber auf einen der hübsch hergerichteten Campingplätze. Nur damit ich nachher damit prahlen kann frei gestanden zu sein, stell ich mich hier sicher nicht hin.

Es gibt in der Gegend auch schöne Plätze zum frei stehen, aber da kommen die mit ihrer Tupperware halt nicht hin 😀

Dafür werden wir im „Ciao Borshi“ wie bisher überall,  kulinarisch bestens versorgt.
Interessant für Bootsfahrer, es gibt eine kleine Slipanlage. Die letzten Meter gehts zwar straight über den Kiesstrand und mangels Touristenbooten werden derzeit nur die Jetski, ein Ausflugs RIB und Fischerboote geslippt, aber es würde mich sehr wundern, wenn man da nicht etwas aushandeln könnte.

Schnell nach Hause duschen und umziehen, heute gibt es noch Abendessen am Berg. Soll die geilste Aussichtsterasse in der ganzen Gegend sein. Aber zuerst gibts noch ein Amstel unter Palmen.
Das Restaurant und die Aussicht sind wirklich toll. Gute Küche, überaus bemühter Service, die Aussicht vom Berg mit Sonnenuntergang absolut einen Besuch wert. Das Publikum regt mich eher auf. Das Lokal ist bei Touristen sehr beliebt und während 50m weiter so richtig authentisches Landleben herrscht, wo alte Männer in umgebauten Garagen Raki trinken, kann ich hier das belanglose Gelaber unserer Sitznachbarn nur schwer ertragen. Ich will eh weghören, aber es ist wie ein Autounfall. Man schaut ja doch…
Ich fürchte mich schon vor Wien in 3 Tagen.

Donnerstag gehts nach Korfu! Ich fuhr dann doch mit.

So um 7:00 herum bremst sich wieder ein Furgon an der Hauptstrasse ein und bringt uns nach Saranda. Der ist diesmal richtig knusprig. Bei uns wird sowas zumindest mit Spachtel zusammengehalten, hier zeigt man die Patina stolz. Dazu furchtbare Geräusche in der Kurve, die man mit ziemlich geiler orientalischer Musik übertönt. Aber der Fahrer ist wirklich cool und bringt uns auch souverän ans Ziel. Gurte haben die Autos hier übrigens auch. So als Verzierung der Fahrzeugseiten als Kontrast zu den Vorhängen 😀

In Saranda wirds hektisch. Ich dachte, ich steig auf das Tragflügelboot und fertig. Tatsächlich geht es zu wie am Flughafen. Gepäck röntgen, endlose Passkontrolle. Eine halbe Stunde in der Sonne warten, bis uns schwindlig wird. Aber die Fahrt ist super! 60kmh zeigt mir das GPS und die mindestens 50 Jahre alte Dieselgurke haut eine Russ Spur raus, das ist beeindruckend. Ich sitz ganz glückselig hinten im Freien, zieh mir 3 Camel rein und schon sind wir da.
Wieder Passkontrolle, Gepäck, Metalldetektor, alter was ziehen die hier ab?

Korfu empfängt uns erstmal mit einem nicht so tollen Panorama. Die Küste entlang ist jede Bucht entweder mit Booten voll, oder es steht ein Hotel mit dem Charme eines Plattenbaus am Stadtrand von Moskau mitten drin. Der Fährhafen ist naturgemäss auch kein Augenschmaus und so wandern wir mal 45 Minuten entlang von Ruinen, Stacheldraht, Mistkübel und einem Dutzend  Auto und Scooter Verleihern entlang. Dazu ein Verkehrschaos, das uns nach 2 Wochen Strandidylle ziemlich überfordert. Die Altstadt ist dafür wirklich hübsch. Leider wird die Fussgängerzone praktisch komplett von Souvenirshops und Ramschläden aller Art verstellt. Wir haben auch zu wenig Zeit um alles zu sehen und laufen das Wichtigste via google maps ab. Es ist halt schon sehr touristisch. Mich schreckt das eher ab, meine Tochter liebt es. Unterm Strich gibt es hier alles, wovor ich aus Kroatien geflüchtet bin. Und preislich das dreifache von gegenüber.

Eine gute halbe Stunde sitzen wir dann noch bei brütender Hitze vor einem Schminkladen und warten auf unsere Tussi, schnell noch was essen und zurück zum Hafen laufen. In der Sonne stehen 38 Grad am Thermometer – ein herrlicher Spaziergang durch die Betonwüste.

Am Terminal entschädigt mich wieder der klimatisierte duty free shop. Als wir dann an Ksamil vorbeifahren und ich weiss dass wir albanische Gewässer erreicht haben, ist das fast ein coming home. Und eine coole Zeitreise. Um 17:00 fahren wir in Griechenland weg und um 16:30 kommen wir in Saranda an. Wieder durch das Chaos am Schalter, dann stellt sich mir der dicke Luan in den Weg. Er hat ein Taxi und ich soll ihn doch buchen. Kommt mir gelegen. Furgons in unsere Richtung schlafen um die Zeit schon. Wir machen aus, dass ich ihn anrufe wenn wir ihn brauchen. Zuerst schau ich mir noch den Markt und die Touristenstände an. Am Markt gibt es feinsten Raki in der Plastikflasche, klar nehm ich den für 700Lek den Liter! Ein bisschen aufdringlich die Mädels vom Markt, aber super nett. Man scherzt ein bisschen rum, auch wenn keiner ein Wort versteht. Ist cool!
Ich hab ja wirklich versucht ein paar Worte Albanisch zu lernen. Aber ich schaff nicht mal ein Danke. Da krieg ich nen Knoten in der Zunge.
Leider kann ich bei der Hitze ausser dem Schnaps nichts mitnehmen. Denn auch bei den Fischen gäbe es so einiges interessantes.

Saranda wirkt nach Korfu übrigens wie ein lauschiges Dorf. Bis auf die Beiboote des Kreuzfahrtschiffs, die emsig rumwuseln und unentwegt Leute an Land schaufeln.

Luan bringt uns dann zügig heim nach Bunec, nicht ohne vorher seine Frau abzuholen. Er meint, wenn er schon da ist geht er gleich baden mit ihr. Ist uns recht, wir reissen ein Korca Bier auf und geniessen die Aussicht.
Der Raki ist auch super, sehr bald sind wir im Bett.

Eine letzte kleine Ausfahrt geht sich Freitags noch aus. Bloss nochmal den Strand entlang nach Süden. Dann Abschiedsrunde durch die Strandbar und das Lokal “Bushi” wo wir ein paar mal waren. Und natürlich nochmal Futter bei uns im “Tropikal Bunec”.
Leuten die mit einer Art rustikalem Camping Style auskommen, empfehle ich das übrigens uneingeschränkt. Super Location und super Gastgeber.

Dann folgen dramatische Momente – ich muss die Kajaks wieder falten und in die Taschen packen. Beziehungsweise, ich versuch es. Jetzt im Ernst, hat es schon mal jemand geschafft irgend so ein aufblasbares Dings wieder in die Originaltasche zu packen?
Eben.
Es wird also eng im Auto.

Samstag geht es heimwärts und um 7:30 düsen wir los. Diesmal die andere Route über Montenegro und Kroatien.
An dieser Stelle nehme ich meine netten Worte zur albanischen Fahrweise zurück, denn was ich zwischen Orikum und Shkodra erlebe ist komplett irre. Ich glaube ja, das muss eine inszenierte Stuntshow gewesen sein.
Dazu ein Unfall am Llogara Pass. Was eine gute Stunde Stillstand bedeutet. Macht aber nichts. Keinem ist was passiert, ein Bagger räumt den LKW weg und wir geniessen die Aussicht. Auch so ein Ort wo man ein paar Tage verbringen sollte.

Die Wahl der Route war ein Fehler. Es geht endlos über enge Landstrassen, die Durchfahrt bei Vlora überfordert mich komplett. Kilometerlange Schotterpisten in Montenegro und Grenzkontrollen die uns Stunden kosten.
Letzten Endes werden es mit 3 Stunden Schlaf auf einem kroatischen Parkplatz ja doch wieder knappe 28 Stunden im Auto.

Ich werd es mir dennoch wieder antun. Da gibt es noch zuviel anzusehen was ich heuer nicht geschafft habe. Ausserdem ist das Landesinnere mindestens so interessant wie die Küste und 2 Wochen zu kurz.
Und das wars jetzt.
Gëzuar!

4 Kommentare zu „Bunec Beach 2019

  1. Sehr fescher Bericht! 🙂 Albanien habe ich bisher nur mit dem Bus von Montenegro aus bereist. Und das war ein Tagesausflug mit einem organisierten Reisebus. Ich hab’s mir heuer sogar für einen Pauschalurlaub angeschaut. Aber die Angebote von Wien aus sind mehr als bescheiden …

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    1. Pauschalangebote sind derzeit zum Glück noch Müll. Billareisen hat allerdings bereits einiges in Saranda vor. Leider.
      Als idealen Kompromiss würd ich mit Kindern Himara sehen. Easy in Eigenregie zu erreichen und gerade so, dass man alle Annehmlichkeiten ohne Hotelburgen hat. Strand und Wasserqualität auch leiwand.

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